Thursday, March 12, 2015

Einführungstext und Informationen für Teilnehmer_innen

Wissenschafts- und Sozialtheoretische Grundlagen Emanzipatorischer Politik (Vortragsreihe+Diskussion+KüfA)

Im Zweiwochen-Rhythmus werden in dieser Reihe höchst spannende Texte von jeweils ein bis zwei Autor_innen allgemeinverständlich vorgestellt. Was diese Texte verbindet ist die Suche nach Bausteinen für ein stabiles theoretisches Fundament emanzipatorischer Politik. Die Beschäftigung mit den Grundlagen emanzipatorischer Politik soll einen klareren Blick auf eigene Vorstellungen von Politik ermöglichen, und helfen andere Standpunkte in Diskussionen besser zu verstehen und einzuordnen. Die konkreten Gruppen, Projekte und Aktionen an denen wir uns beteiligen sollen davon profitieren.

Der Input dauert jeweils etwa eine Stunde und danach können wir diskutieren - in entspannter Runde - das Ganze bei einem Abendessen (KüfA) und günstigen Getränken.

Für Interessierte gibt es vor jeder Veranstaltung eine Erinnerungsmail mit Informationen zum Thema. Sehr Interessierte können einen Reader zum mitlesen bestellen und vor Ort abholen.

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Zum Inhalt der Vorträge

Emanzipatorische Politik - Wir schleichen schon eine Weile um die Frage herum, was genau das sein soll und wollen es uns nicht so leicht machen damit. Wagen wir einen Schritt zurück und schauen in die Eingeweide: Was ist nötig um praktische Politik als mehr oder weniger emanzipatorisch zu bestimmen? Ganz am Anfang (Teil 1) stehen sicherlich philosophische Fragen, wie etwa jene um Wissen und Wahrheit, was Mensch sein bedeutet und wie es um das Verhältnis von Wissenschaft, Politik und Ethik steht. Warum ist das wichtig? Zwei Gründe: Erstens braucht es Philosophie und Geschichte, um die Befreiung des Individuums in Denken und Handeln nachzuvollziehen. Zweitens stehen alle politischen und sozialwissenschaftlichen Konflikte irgendwie mit solchen grundlegenden Fragen in Verbindung, wie ein paar Beispiele zeigen werden. Ein sicheres Fundament in diesen Fragen erhalten wir aber nicht durch wildes drauflos philosophieren, oder das zurechtbasteln, je nachdem wie wir es gerade brauchen – und schon gar nicht durch das allmähliche Hochschwingen in luftigen Höhen akademischer Kryptodebatten, denen Normalsterbliche nicht mehr folgen können. Im ersten Teil wird deshalb bodenständige aktuelle Wissenschaftstheorie vorgestellt, die einfach zu verstehen und schwer zu widerlegen ist.

Im Zweiten Teil wird ein sowohl realistisches, als auch kritisches Bild von Gesellschaft gezeichnet. Es werden zunächst zwei etwas ältere aber sehr erhellende Texte vorgestellt, die für das jeweilige Thema womöglich einzigartig sind. Zusammen sollen diese einen groben Überblick über die Geschichte der linken Gesellschaftskritik geben. Mit 2 Texten einer feministischen Sozialtheoretikerin überschauen wir dann die wichtigen Elemente einer aktuellen Kapitalismuskritik und ergründen im Anschluss kritisch die Idee der Postpolitik. Die darauf folgenden Texte sind sehr aktuell und von empirischen Sozialforschern verfasst. Der Eine analysiert sachlich dass Erstarken der sozialen Bewegungen seit dem 19. Jahrhundert. Mit dem anderen lassen sich wichtige theoretische Konflikte nachvollziehen, die in enger Beziehung zu großen politischen Auseinandersetzungen im linken Spektrum stehen.

Aus erstem und zweitem Teil sind dann hoffentlich Kriterien ableitbar, welche nun bei der Bewältigung des dritten Teils genutzt werden sollen: Im Theorie-Wirrwarr zum Thema „Macht und Herrschaft“ wollen wir nach Orientierung suchen, wollen Wichtiges von Unwichtigem, Brauchbares von Unbrauchbarem trennen. Dazu werden zunächst eine Vielzahl von Ideen mittels zweier unterschiedlicher Herangehensweisen vorgestellt: Einer ausdrücklich emanzipatorischen und einer scheinbar neutral-soziologischen (ein wilder Ritt). Im Anschluss wird ein sehr griffiges und spannendes Macht-Analyse Konzept für den praktischen Gebrauch durch (zB.) Entwicklungs(hilfe)organisationen vorgestellt. Dem schließen sich zwei Veranstaltungen an, in denen wir uns der Frage widmen, wieviel Macht einzelne Menschen oder Gruppen heute wirklich haben, bzw. andersherum, inwieweit (spät-) moderne Herrschaft als überwiegend anonym oder unpersönlich verstanden werden kann.

Der letzte Teil der Reihe wird noch etwas fruchtig-frischer: Es werden 3 aktuelle sozialtheoretische Werke vorgestellt, die zum einen viele Hoffnungen wecken, und zum anderen mit viel Beweislast daherkommen. Ob und wie weit wir deren Schlüsse über Vergangenheit, Gegenwart und Zukunft emanzipatorischen Wirkens folgen, wird sich dann in unserer Diskussion zeigen. Für die letzte Veranstaltung dieser Reihe werden just ein paar Thesen und Diskussionsfragen vorbereitet, rundum die strategische Brauchbarkeit der Begriffe Macht, Herrschaft, Emanzipation und Empowerment.