Wednesday, June 17, 2015

Staat und Staatlichkeit

Vortrag und Diskussion (KüfA + Bar)

Dienstag, 23.06.2015 – 20 Uhr
JUP, Florastr.84, 13187 Berlin – Zugang übers Café

Und wieder ein großes Thema, für dass sich andere ein ganzes Leben Zeit nehmen: Kommenden Dienstag handeln wir den „Staat“ in einer guten Stunde ab. Warum geht das? Weil, wie immer, lediglich umrissen wird, welche Bedeutung das Thema für emanzipatorische Politik hat, und was die beiden vorgestellten Texte zu diesem Zwecke beisteuern.

Eingeleitet wird mit ein paar kurzen Worten zu den Anfängen und der Bandbreite der Staatstheorie, um dann flux ein 2007 erschienenes Buch von Alex Demirovic vorzustellen, in dem dieser wiederum die materialistische Staatstheorie von Nicos Poulantzas vorstellt, diskutiert und weiterführt. Hier haben wir es mit Staatstheorie zu tun, welche die marxistische Debatte kritisch neubelebt und dabei den wissenschaftstheorischen Ansprüchen gerecht wird, die sich bisher in der Veranstaltungsreihe als sinnvoll und notwendig erwiesen haben.

Ergänzt wird dieser Text durch wesentliche Punkte aus einem ganz wunderbaren Artikel von Marion Löffler (2005), indem sie die Staatstheorie in aktueller Forschung kritisiert. Am Beispiel aktueller feministischer Staatstheorie zeigt sie einen Weg auf, wie die zur Zeit etablierten Theorien (Policyanalysis, Governanceforschung etc.) mit starken empirischen Hintergrund (herrschafts-) kritisch gewendet werden können und müssen.

Demirovic, Alex (2007) Nicos Poulantzas: Aktualität und Probleme materialistischer Staatstheorie. Westphälisches Dampfboot, Münster
Löffler, Marion (2005) Staatlichkeit als Konzept: Innovationspotentiale feministischer Staatstheorie. Österreichische Zeitschrift für Politikwissenschaft, 34/2, S.119-132

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Nach der VA:

Zu einer Diskussion kam es diesmal leider nicht. Der Input war zu umfangreich, obwohl wirklich nur das Wesentlichste vom Wesentlichen aus den beiden Texten platz gefunden hat - Staatstheorie ist wirklich ein dickes Pferd (da muß ma erstmal raufkommen). Immerhin wurde der Inhalt für sehr interessant und die Darstellung als gelungen befunden - es entwickelt sich, Genoss_innen.

In der Vorbereitung bin ich auf ein weiteres Buch gestossen, dass eine systematische Einführung in aktuelle materialistische Staatstheorie liefert. Bob Jessop gehört ebenfalls zu denen, die auf Grundlage einer kritisch-realistischen Wissenschaftstheorie argumentieren. Seine Texte sind auch die meist zitierten in den beiden vorgestellen Texten. Das Buch ist inzwischen auch mit der Post bei mir angekommen, und nach einem ersten Überfliegen wage ich zu behaupten: Wer es ernst nimmt mit kritischer Staatstheorie für emanzipatorische Politik ist mit “Kapitalismus, Regulation, Staat - Ausgewählte Schriften (2007)” gut beraten.

Für die weitere kritische Anknüpfung an die postmodernen Staatstheorien, welche aktuelle Regierungsprojekte informieren sei der (Such-) Begriff “Critical Governance” nahe gelegt - ein sehr junger Bereich in den Politikwissenschaften, zudem es bisher in Deutsch und Englisch leider noch keine Literatur zu geben scheint. Mit Blick auf die Workshops und Konferenzen der letzten Jahre, lässt sich aber hoffen, dass demnächst etwas dazu erscheint.