Wednesday, June 3, 2015

Soziale Bewegungen

Vortrag und Diskussion (KüfA + Bar)

Dienstag, 09.06.2015 – 20 Uhr
JUP, Florastr.84, 13187 Berlin – Zugang übers Café

Beinahe nahtlos knüpft die kommende Veranstaltung an das Thema der letzten an, steht aber auch für sich: Die historische Entwicklung der Sozialen Bewegung versuchte Werner Hofmann (1979, 6.Auflage, posthum veröffentlicht) darzustellen, entlang der verschiedenen Ideen und Ziele – daher die Nähe zur Geschichte der Sozialutopien. Hofmanns Begriff von Sozialer Bewegung bezieht sich aber ausschließlich auf die Arbeiter- und Bauernbewegung seit Mitte des 18 Jhd., und ist auch aus anderen Gründen überholt. Deshalb wird im Anschluss an einen Überblick zu seinem Buch in ein analytisch schärferes, praxis-orientiertes Verständnis (eine Theorie) von Sozialer Bewegung nach Charles Tilly und Lesley J. Wood (2013) eingeführt. Außerdem zeichnen diese eine etwas umfassendere Geschichte nach, über Anti-Slavery Movement und Suffragetten … bis zum Arabischen Frühling und Occupy.

Zusammen ergeben die beiden Bücher immerhin ein grundlegendes Verständnis der historischen Entwicklung von Sozialer Bewegung, und helfen deren praktisch-politische Möglichkeiten und Grenzen zu verstehen. Das ist nicht wenig, sofern wir davon ausgehen, dass bestimmte Soziale Bewegungen in Vergangenheit zu zentralen emanzipatorischen Kräften wurden, und dies wohl auch in Zukunft sein werden.

Hofmann, Werner (1979) Ideengeschichte der sozialen Bewegung. De Gruyter, Berlin
Tilly, Charles and Lesley J. Wood (2013) Social Movements, 1768-2012. Third Edition. Paradigm, London

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Nach der VA:

Aus den Nachfragen und den zwanglosen Gesprächen im Anschluss an den Vortrag lassen sich ein paar wichtige Punkte ergänzen, bzw. konkretisieren:

Emanzipatorische Politik wurde und wird häufig in Form von Sozialen Bewegungen wirksam. Soziale Bewegungen müssen aber keineswegs immer emanzipatorisch sein. Selbst wenn Emanzipation zum Selbstbild gehört, kann dies u.U. eine (Selbst-) Täuschung sein, oder auf einem wenig emanzipatorischen Verständnis von z.B. “Freiheit” beruhen. (Kritische) Sozialtheorie kann für emanzipatorische Soziale Bewegungen deshalb folgende wichtige Frage(n) klären helfen: Wie weit sind die (a) politischen Forderungen, (b) Annahmen und Analysen, und (c) die konkrete politische Praxis in einer sozialen Bewegung als emanzipatorisch zu beschreiben? Darüberhinaus können mit einer kritisch-realistischen politischen Theorie der Sozialen Bewegung, eben diese effektiver für emanzipatorische Politik nutzbar gemacht werden (…).