Thursday, May 21, 2015

Geschichte und Kritik der Sozialutopien

Vortrag und Diskussion (KüfA + Bar)

Dienstag, 26.05.2015 – 20 Uhr
JUP, Florastr.84, 13187 Berlin – Zugang übers Café

Der 2. Teil der Reihe ist mit „Gesellschaft“ betitelt, weil es hier um verschiedene Dimensionen von „Menschen als soziale Wesen“ geht. Im Vordergrund stehen natürlich jene Aspekte, die besonders wichtig für ein theoretisches (realistisches) Fundament emanzipatorischer Politik sind.

Die 1. Veranstaltung (Nr. 5 insgesamt) am kommenden Dienstag beginnt mit einem eher oberflächlichen Ritt durch die Geschichte der Sozialutopien – als Anregung zur Lektüre für die Einen, als Auffrischung für die Anderen. Dabei folgen wir Ernst Bloch von den antiken Staatsromanen von Platon und Jambulus bis ins frühe 20. Jahrhundert. Die Darstellung mag weder komplett noch historisch auf dem neuesten Stand sein, hilft aber sehr „ein Gefühl“ für die Historizität von Gesellschaftskritik und Utopie zu bekommen. Einige, vielleicht überraschende Aspekte tragen dazu in besonderem Maße bei.

Im Anschluss wird es mit Maeve Cookes wissenschafts- und sozialtheoretischer Kritik von aktuellen Utopie-Versuchen etwas anspruchsvoller. Die Zeit soll hier genutzt werden um ihre wichtigsten allgemeinen Kritikpunkte verständlich zu machen, in einer Form, dass diese für die eigene Anwendung brauchbar werden. Diese sind eng verflochten mit ihren Ansprüchen an eine zeitgemäße und realistische Utopie. Sie selbst formuliert eine solche nicht. Ein Versuch, dem in etwa diese Ansprüche zu Grunde liegen, kann auf dieser Website zur Vorbereitung bereits als Video angeschaut oder (weiter unten) gelesen werden. Der Text „Perspektiven“ aus der Reihe „Der Rote Faden (2011)“ verbindet zugleich die letzte Veranstaltung mit der kommenden.

Bloch, Ernst (1959) Das Prinzip Hoffnung. Suhrkamp, Frankfurt a.M.
Cooke, Maeve (2006) Re-Presenting the Good Society, MIT Press, Cambridge

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Nach der VA:

Aufgrund von Übermüdung hat die Vorstellung der Texte leider die Zeit für die anschliessende Diskussion komplett aufgefressen. Trotzdem gab es zwischendrin Austausch, sowie Anregungen per Email. Eine Aufbereitung dieses Themas wird sicher einiges davon aufnehmen, wie zum Beispiel der Hinweis auf die Diskussion der Utopie-Frage zwischen den Zeitgenossen Ernst Bloch und Theodor W. Adorno. Auch die Bedeutung archologischer Arbeiten zu vorantiken egalitären Gesellschaften für das utopische Denken und emanzipatorische Politik scheint mir sehr sinnvoll. Dazu kamen Hinweise von anderen aktuellen Utopie-Versuchen, die es schaffen das Wesentliche einer besseren Welt in Abstraktionen zu beschreiben und das Konkrete in der Sprache der Fiktion zu beleben.

Im weiteren Grübeln kam mir der Gedanke, das utopische Denken in 4 Typen zu kategorisieren:
- Wünsche … weitgehend unreflektierte Sehnsüchte nach dem Neuen, aus dem Widerspruch zwischen Hoffnung und Wirklichkeit
- Kopfgeburten … ausgetüftelte Geniestreiche selbsterklärter Weltretter (selten -innen)
- gelebte Utopie … das Neue im Alten vorantreiben, meist ohne die Chancen und Grenzen der Wirkung solcher Experimente tiefer auszuloten
- wissenschaftsbasierte Utopien … oft auf Grundlage übertriebener Erwartungen an Mensch und Technologie … aber auch brauchbare Ansätze in Verbindung mit kritischer Wissenschaft und Sozialtheorie - Je interdisziplinärer, desto besser … schliesslich geht es ums Ganze.