Wednesday, April 8, 2015

Ein realistisches Menschenbild

Vortrag und Diskussion (KüfA + Bar)

Dienstag, 14.04.2015 – 20 Uhr
JUP, Florastr.84, 13187 Berlin – Zugang übers Café

In der kommenden VA geht es nun um verschiedene Menschenbilder, bzw. die Frage ob es EIN realistisches Menschenbild gibt, von dem wir im weiteren Verlauf ausgehen können. Das Thema ist ähnlich grundlegend wie die Fragen nach Wirklichkeit und Erkenntnis und hat zudem eine gewisse Schnittmenge mit erkenntnistheoretischen Grundlagen. Deshalb wird anschließend noch einmal etwas genauer die Definitionen von Subjekt und Objekt bei Mario A. Bunge und Donna Haraway verglichen. Dann lassen wir uns von P. Weise pointiert zwei sehr gegensätzliche Menschenbilder vorstellen, die in der Wirtschafts- und Sozialtheorie sehr bedeutend sind, und zudem häufig Grundlage empirischer Forschung (homo oeconomicus vs. homo sociologicus). Diese Konzepte haben eine große Wirkung auf die soziale Wirklichkeit (Teil 2) und spielen auch für die Machtdebatte im Teil 3 eine wichtige Rolle. Zum Schluss werden einige Argumente eines Wissenschaftstheoretikers (T. Fuchs) vorgestellt, die sich konkret gegen den Antirealismus in den Neurowissenschaften richten. Mit den letzten beiden theoretischen Texten mit starken empirischen Hintergrund soll versucht werden im Rahmen der Diskussion grob die Eingangsfrage zu beantworten (Gibt es EIN brauchbares realistisches Menschenbild?).

Weise, Peter (1989) Homo oeconomicus und homo sociologicus – Die Schreckensmänner der Sozialwissenschaften. Zeitschrift für Soziologie. Jg.18 Heft 2, S.148-161

Fuchs, Thomas (2011) Hirnwelt oder Lebenswelt? Zur Kritik des Neurokonstruktivismus. DZPhil, Akademie Verlag, 59/3, S. 347–358

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nach der VA:

Diesmal kam eine etwas kleinere aber ebenso interessierte Runde zusammen. Es ging um den Versuch ein realistisches Menschenbild zu umreißen, auf 3 verschiedenen Wegen. Alle 3 sind sehr abstrakt und auch unter anderem deshalb ausgewählt – damit sie auf möglichst alle Menschen zutreffen. Abstraktion bedeutet einen hohen Grad an Verallgemeinerung von den vielen unterschiedlichen Erfahrungen, die in die Diskussion einfließen. Ein Problem und Hauptkritikpunkt war, dass sich persönliche Erfahrungen, und auch vieles Fachwissen, z.B. an die Subjekt-Objekt Debatte schwer anknüpfen lässt. Es wird in der Aufbereitung eine besondere Herausforderung, dies etwas anschaulicher und mit möglichst vielen Brücken und nützlichen Beispielen zu gestalten.

Die vorgestellten Menschenbilder aus neurobiologischer und sozialwissenschaftlicher Perspektive waren besser nachvollziehbar und fanden viel Zuspruch. Aus der Diskussion gingen keine großen Schwächen hervor. Lediglich der Abstraktionsgrad wurde problematisiert, in diesem Fall aber wegen der Anwendbarkeit. Es fehlen noch Zwischenschritte zur Alltagstauglichkeit, die allerdings von den Bereichen abhängen, über die geredet werden soll. Das heißt, auch hier wird in Zukunft die Erläuterung über Beispiele etwas aufwendiger sein müssen. Hinzu kamen einige Anregungen, die vorgestellten Theorien mit anderen sozialkritischen und auch psychologischen Theorien in Verbindung zu bringen – eine spannende Idee, die ich aber alleine nicht bewältigen kann.