Sunday, March 15, 2015

Materialismus, Realismus und wissenschaftliche Methode

Buchvorstellung und Diskussion (KüfA + Bar)

Dienstag, 31.03.2015 – 20 Uhr
JUP, Florastr.84, 13187 Berlin – Zugang übers Café

In der ersten Veranstaltung des ersten Teils der Reihe geht es um die Grundlagen der Grundlagen. Zunächst wird mit ein paar historischen Informationen die sozial-politische Bedeutung von Wissenschaftstheorie erklärt, bevor wir uns anschauen, was Mario Augusto Bunge, ein argentinisch-kanadischer Physiker und Wissenschaftstheoretiker, zu den philosophischen Kernfragen zu sagen hat: Was ist? Was können Menschen erkennen? Was ist wahr/real? … Ist Objektivität das gleiche wie wissenschaftliche Neutralität? Diese Fragen haben nicht nur eine allgemeine Bedeutung für unser Denken und Handeln. Sie sind enorm wichtig für die wissenschaftliche Praxis. Je nach dem wie sie beantwortet werden, sehen wissenschaftliche Forschung und Ergebnisse, aber auch unser politisches Handeln aus.

M.A. Bunge beschäftigt sich seit etwa 70 Jahren mit diesen Fragen und ist zu sehr soliden Ergebnissen gekommen. Er hatte genug Zeit die theoretischen Versuche der Vergangenheit und Gegenwart zu lesen und alles gut zu durchdenken, bevor er seinen Hylorealismus entwickelte. Jener besteht aus starken Argumenten für einen neuen wissenschaftlichen Materialismus und einen aus 7 Säulen bestehenden Realismus, von denen zunächst nur die ersten 4 eine Rollen spielen werden: Der ontologische, epistemologische, semantische und methodologische Realismus. Wenn diese erstaunlich leicht verständlichen Konzepte vorgestellt sind, wird noch anhand zweier Beispiele erläutert, wie sich solche grundlegenden Konzepte auf aktuelle linke Politik auswirken - bevor es dann in die Diskussion geht.

Bunge, Mario A. (2006) Chasing Reality: Strive over Realism. University of Toronto Press

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Nach der ersten VA:

Es kamen trotz Sturm unerwartet viele vorbei. Einige nahmen an, der Autor wäre anwesend - wg. dem Wort „Buchvorstellung“ in der Ankündigung. Das tut mir sehr Leid und ich werde versuchen das im Weiteren deutlicher Auszudrücken. Jedenfalls entstand wie erhofft eine rege Diskussion, mit Kritik und Anregungen. Eine unglückliche Wahl von Anschauungsbeispielen, die dem Autor folgte (M.A.Bunge), hat kurzzeitig den traditionellen Chauvinismus der realistischen Wissenschaftstheorie für alle deutlich sichtbar werden lassen. In der Aufarbeitung des Themas wird deshalb ein Text der Feministin Donna Haraway vorgestellt, mit dem dieser Chauvinismus nicht nur scharfsinnig kritisiert, sondern auch der Weg in eine neue realistische Wissenschaft gewiesen wird. Auf weitere Anregungen hin wird die Aufarbeitung des ersten Themas mit einigen Zitaten von Adorno eingeleitet, welche häufiger verwendet werden, um die Bedeutung von (Wissenschafts-) Theorie für linke Politik zu begründen.

Schließlich noch ein paar Worte zur Vermittlungsmethode: Es war in der ersten VA erwartungsgemäß schwer die Komplexität und Abstraktion der Thematik mit einem Einführungscharakter der VA in Einklang zu bringen. Es war ein erster Versuch. Bitte gebt der Sache noch ein/zwei Chancen – da geht vllt. noch was. Der Frontalcharakter bleibt uns allerdings vorerst erhalten, solange es keinen festen Kreis von Leuten gibt, die sich intensiv einbringen wollen (bei Interesse gerne melden!). Die Nutzung des Beamers wird allerdings etwas reduziert - in Zukunft sollen nur wenige Stichwörter an die Wand projeziert werden, um das Wieder-einklinken nach dem Abschweifen der Gedanken zu erleichtern.